In 10 Schritten zur eigenen Persönlichen Lernumgebung

22. September 2011

Thomas ist Franzose und lebt in der Nähe von Paris. Er ist 20 Jahre alt und kommt nach Berlin um ein 6monatiges Orientierungspraktikum zu machen. Das ist für französische Verhältnisse eher ungewöhnlich, weil sich die Schulabgänger in der Regel direkt für ein anschließendes Studium oder eine Ausbildung einschreiben. „Man“ verliert keine Zeit.

Der Berlin-Aufenthalt ist für Thomas ideal, weil er sein Deutsch verbessern kann. Praktikumsinhalt: „Die persönliche Lernumgebung“, das eigene Personal Learning Environment (PLE).

Das Konzept einer (digitalen) persönlichen Lernumgebung ist ihm bis dato unbekannt und so betritt er Neuland.

Was gehört alles rein in die eigene PLE? Welche Anforderungen muss sie erfüllen.
Natürlich ist es schon fast ein automatischer Reflex sich an den Computer zu setzen und erst mal zu recherchieren … – Schwupp, ein halber Tag ist weg, unglaublich viel gefunden, viele interessante Links, jede Menge gelesen, …

Auf die Frage, ob er gefunden habe, was er suchte, kommt ein zögerliches: „Na ja, also ich habe gelesen, dass … und eigentlich denke ich, dass …“

In dem nachfolgenden Gespräch wurde klar, das die Strategie „los zu surfen“, Wikipedia zu besuchen und anschließend von Webseite zu Webseite zu springen, Links zu speichern … in der Regel kein zufriedenstellendes und nachvollziehbares Ergebnis bringt.

Nun folgt der Plan:
1) Ziel formulieren
2) Eigene Gedanken festhalten
3) Quellen suchen und beurteilen
4) Informationen aufnehmen, speichern, kommentieren
5) Informationen zusammentragen
etc.

Doch leichter gesagt als getan. Denn auch diese vermeintlich einfachen Schritte setzen voraus, dass man die Methoden und Techniken verinnerlicht hat: Z.B. wie man ein Ziel formuliert? Wie man effektiv im Internet recherchiert? Wie man die Informationsquellen beurteilt? Wie man die Quellen zitiert? Wie man  bibliografiert? Wie man seine Arbeitsergebnisse dokumentiert? …

So, nun sind wir angekommen in der Praxis. Die Reflektion der eigenen Lernmethoden, Lernstrategien und der Lernorganisation erfolgt nun mit dem Ziel, sich eine eigene, praktische und nützliche Lernumgebung einzurichten.

Die entstandene persönliche Lernumgebung hat exemplarischen Charakter und beinhaltet methodische Hilfen zu den Themen:

Wie lerne ich effektiv?

Wie lehre ich effektiv?

Wie formuliert man Ziele?

Wie geht Zeitmanagement?

Wie geht Brainstorming?

Wie gehe ich mit Materialmix um?

Wie bibliografiere ich?

Wie recherchiere ich effektiv?

Wie präsentiere ich?

Wie geht Projektarbeit?

Wie erstelle ich ein Protokoll?

Wie erstelle ich einen Praktikumsbericht?

Wie lerne ich Sprachen?

Wie erstelle ich mein Lerntagebuch?

Wie erstelle ich mein e-Portofolio?

Wie organisiere ich mein Wissen so, dass ich es wiederfinde?

Da das Thema “Persönliche Lernumgebung” nicht nur Schüler und Studenten betrifft, befinden sich im Buch auch 5 Kurzanleitungen: Sie heißen jeweils: “In 10 Schritten zur eigenen persönlichen Lernumgebung für Schüler, … für Studenten, … für Eltern, … für Lehrende und … für Senioren”.

L'Environnement d'Apprentissage Personnel

Das Buch ist in französischer Sprache erschienen:

Detlev Roth, Thomas Werkmeister: L’Environnement d’Apprentissage Personnel. Une nouvelle façon d’organiser son savoir. Books on Demand, Paris. 2011. ISBN: 978-2-8106-1195-9 (amazon)

Lebenslanges Lernen, PLE, Frankreich und Deutschland?

21. September 2011

Wir suchten die französische Übersetzung für „Lebenslanges Lernen“ bzw. „Lifelong Learning“, weil wir recherchieren wollten, welche Initiativen die Franzosen auf diesem Gebiet durchführen.
Anscheinend existiert dieser Begriff bzw. diese Idee in Frankreich nicht.

Etwas besser ist die Lage bei der “Persönlichen Lernumgebung” bzw. dem “Personal Learning Environment”. Der Begriff wurde übersetzt mit „L’Environnement d’Apprentissage Personnel“. Hier scheint die Diskussion noch sehr in den Kinderschuhen zu stecken.

Die Auseinandersetzung mit diesen beiden Themen – Lebenslanges Lernen und Persönliche Lernumgebung – sollte mit der Frage beginnen, wer die Verantwortung für die Realisierung der beiden Konzepte übernimmt. Für den Lernenden läuft es letztlich auf die Frage hinaus: Ist meine Rolle dabei passiv oder aktiv?

Wenn ich mich als Lernende/r in der passiven Rolle sehe, dann denke ich, dass der Staat und die Institutionen mich versorgen müssen. Also versorgen mit Weiterbildungsangeboten, Programmen, Projekten, Lernumgebungen und natürlich: Lehrern, Dozenten und Professoren (und später den richtigen Jobs). Ich lasse mich füttern ;-) und gebe die Verantwortung ab „nach oben“.

Wenn ich mich in der aktiven Rolle sehe, dann überlege ich mir, wie ich meine Bildung organisieren kann. Dann tauchen die Fragen auf: Wie lerne ich am besten? Wie organisiere ich mein Wissen so, dass ich es stets verfügbar habe? Was kann ich tun, damit ich meine Anstrengungen, Kompetenzen und Wissen so dokumentiere, dass es mir bei meiner Karriere hilft? Wie überwinde ich institutionelle, fachliche, geographische, sprachliche Barrieren? Wie erstelle ich mir ein internationales e-Portfolio, dass kontinuierlich meine Aktivitäten abbildet?

Von den Franzosen wird gesagt, dass sie sich in Bildungsfragen den Autoritäten einfach unterordnen. D.h. der Lehrer hat immer recht, der Dozent hat immer recht und der Professor auch.
Anscheinend wird diese Rollenaufteilung zwischen Lernenden und Lehrenden nur wenig hinterfragt. (Sollte ich hier fälschlicherweise ein Vorurteil äußern, bitte ich den oder die Leser/in, mir dies mitzuteilen).

So eine Sicht ist für die „kritischen“ Deutschen, wie sie sich selbstbewusst bezeichnen, undenkbar. „Der Lehrer hat immer Recht?“ – Das wird eher automatisch als Witz verstanden. Meines Erachtens ist die kritische Haltung der Deutschen eine Folge der Erziehung nach dem Kriege. Das Ziel in der (auch politischen) Bildung des Bürgers: Kritikfähigkeit – Hinterfrage Autoritäten – Bilde Dir Deine eigene Meinung – und für das Training ist die Schule, die Ausbildung und Universität ein idealer Ort.

Beide Positionen des Lernenden, ob „folgsam“ oder „kritisch“, stellen den Rahmen, in dem die Bildung stattfindet nicht in Frage. Sie gehen beide davon aus, dass die Verantwortung für den eigenen Bildungserfolg bei den Institutionen und den Lehrenden liegt. Damit bleibt die Rolle des Lernenden letztlich immer noch passiv.

Ich denke, der Weg der französischen und der deutschen Lernenden (gleich welchen Alters), hin zu einer persönlich aktiven Rolle hinsichtlich der Organisation des Lebenslangen Lernens und einer funktionsfähigen Persönlichen Lernumgebung ist gleich weit.

An die Arbeit ;-)

Übergreifendes

20. September 2011

Als ich vor zwei Wochen davon hörte, war ich einfach begeistert: Die GSO (Gesamtschule Bremen Ost) ist ein hervorragendes Beispiel für eine Bildungseinrichtung, die fächerübergreifend, sprach- und länderübergreifend sowie generationsübergreifend arbeitet und die Lernenden und Lehrenden begeistert. Darüber hinaus ist es auch eine „institutionsübergreifende“ Ausrichtung.

Der Blick geht nach Bremen, zum Stück „Polski Blues“. Eines von drei Projekten, die die Gesamtschule GSO zusammen mit der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen realisierte.

Hier sind einige Links, die das Projekt vorstellen:
radiobremen 01
Hier spielt die Musik
radiobremen Video

Es ist mehr als ein Projekt, es ist eine Ausrichtung einer Bildungseinrichtung, die ich beispielhaft finde, die einen Modellcharakter hat.

„Übergreifend“ heißt hier konkret fächerübergreifender Unterricht:

Musikunterricht: Die Schüler können das Spiel auf Musikinstrumenten (von Profis) lernen, sie spielen mit bei der Aufführung. Sie schreiben selber Texte. Sie setzen sich mit der Komposition auseinander, die eigens für die Aufführung komponiert wurde.

Kunstunterricht: Die Schüler entwerfen das Bühnenbild und beschäftigen sich mit den „zeitgenössischen Kostümen“.

Geschichts- und Politikunterricht: Die Beziehung der Länder Deutschland und Polen gerät ins Blickfeld und wird diskutiert.

Sprachübergreifend: Hier wird auch polnisch gesprochen und gesungen.

Länderübergreifend: Der polnische Startenor Jacek Laszczkowski ist beteiligt und die Geschichte von Polski Blues (von Janosch) führt in das kleine polnische Dorf Kuznice.

Generationsübergreifend: Nicht nur die Zusammenarbeit von Schülern und Profimusikern bringt die Generationen zusammen, sondern auch die starke Beteiligung und Unterstützung der Eltern an dem Projekt steht dafür. Sie nehmen Teil – an der stillen Vorarbeit und am aufregenden Höhepunkt der Aufführung. Stolz sind sie alle zusammen.

Institutionsübergreifend:
Hier arbeiten Bildungseinrichtung und professionelles Orchester zusammen. Zwei Einrichtungen, die normalerweise nichts mit einander zu tun haben.

Bei dem Bremer Bezirk Tenever handelt es sich um einen Stadtbezirk, der soziale Schwierigkeiten hat. Für mich bedeutet dies, dass sich so eine Arbeit auch in „schwieriger“ Umgebung erfolgreich durchführen lässt – aber natürlich eigentlich überall stattfinden kann.

Herzlichen Glückwunsch: Die ganze Entwicklung hat bestimmt viel Mut und Entschlossenheit gebraucht – für alle Beteiligten.

Vielleicht steckt dieses Beispiel auch andere Bildungseinrichtungen an, die eigenen (regionalen und internationalen) Möglichkeiten auszuloten – und sich von dieser Idee, dieser Ausrichtung „übergreifend“ zu agieren, anstecken lassen. Vielleicht erscheint ja auch mal eine umfangreiche Dokumentation, die den ganzen Weg der fruchtbaren Zusammenarbeit von GSO und der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen skizziert.

Wirklich übergreifend und hoffentlich ein Vorbote des neuen Zeitgeistes.

Anforderungen an eine Persönliche Lernumgebung (PLE)

22. Juli 2010
Lernmanagement- und Kompetenzmanagementsysteme stellen technologische Konzepte für Bildungseinrichtungen und Unternehmen dar, um deren Bedürfnisse zu erfüllen.

Während die LMS und KMS in den letzten Jahren ein jeweils relativ einheitliches Erscheinungsbild sowie Funktionsumfang zeigen, welches eindeutig auf die Bedürfnisse/Anforderungen von Bildungsinstitutionen und Unternehmen abgestimmt ist, verhält es sich bei den Persönlichen Lernumgebungen (PLE) anders.

Hier gibt es derzeit keine Organisation, die die Interessen der Lernenden vertritt und deren Bedürfnisse/Anforderungen formuliert. Lernende nutzen in der Regel – entsprechend ihren Kompetenzen und finanziellen Möglichkeiten – möglichst frei verfügbare digitale Werkzeuge. Die Notwendigkeit für Lernende, sich zu informieren, sich gegenseitig zu unterstützen, untereinander auszutauschen und zusammenzuarbeiten sowie die Weiterentwicklung vom Web 1.0 zum Web 2.0 führt derzeit zu einer starken Nutzung der Social Media Anwendungen – auch im Lernkontext (nicht immer freiwillig, da Lehrende die Nutzung von SMA manchmal auch fordern).

Die Bestandteile einer Persönlichen Lernumgebung sind individuell. Die digitale Persönliche Lernumgebung hat derzeit noch kein einheitliches Erscheinungsbild bzw. -format. Schon bei der Definition heißt es: „Vorsichtshalber offen formulieren!“

Anforderungen

Derzeit wird die PLE und ihr Einsatz noch hauptsächlich im Kontext der Hochschule / Universität diskutiert. Das Bewußtsein für die Notwendigkeit, lebenslang zu lernen bringt die Diskussion in alle gesellschaftlichen Gruppen und braucht Lösungen für alle Altersgruppen.

Versucht man Anforderungen für eine PLE zu formulieren – die der Realität des lebenslangen Lernens gerecht werden können – so sollten diese Folgendes berücksichtigen:

  • Lernende (mit Zugang zu digitalen Werkzeugen) sind zwischen 10 und 100 Jahren
    Daraus folgt: einfache Bedienung des Systems, da keine bzw. nur eine geringe Medienkompetenz vorausgesetzt werden kann; Austauschbarkeit mit Anderen, generationsübergreifend.
  • Lernende besuchen im Laufe ihres Lebens verschiedene Bildungsinstitutionen (oder keine)
    Daraus folgt: Eigene Datenspeicherung und Lernwerkzeuge, die bildungssystemübergreifend immer zur Verfügung stehen.
  • Lernende sind in der Wahl ihrer Interessengebiete frei und unabhängig
    Daraus folgt: Freie Gestaltung der Wissensgebiete
  • Lernende sollten mehr als eine Sprache verstehen und bestensfalls in weiteren Sprachen kommunizieren können
    Daraus folgt: Mehrsprachigkeit der PLE, auch wichtig für den Austausch mit Menschen, die eine andere Sprache sprechen.
  • Lernende wechseln möglicherweise öfters den Standort, das Land, die Sprache
    Daraus folgt: Mehrsprachigkeit
  • Lernende brauchen Zugriff auf ihr eigenes Wissen
    Daraus folgt: Eigenes Wissensmanagementsystem für Kontinuität, Suche, Verknüpfungen und Kontextualisierungen, schnelles und effektives arbeiten, austauschen und präsentieren
  • Lernende brauchen Lernwerkzeuge und -funktionen, die den Lernprozess aktiv unterstützen
    Daraus folgt: Integrierte Hilfen zum Memorieren und Kontextualisieren
  • Lernende brauchen Präsentationswerkzeuge bzw. Veröffentlichungswerkzeuge
    Daraus folgt: Einfacher Gastzugang für ausgewählte Teilbereiche des eigenen Lernstoffes / Wissens. Einfache Präsentation eines E-portfolios. Exporte ins Web (Gastzugang, Blog), als PDF)
  • Lernende brauchen Zugang zu aktuellen Informationen
    Daraus folgt: Veranstaltungshinweise mit Bezug zu den eigenen Interessen, Lern- und Wissensinhalten. Auch in mehreren Sprachen.
  • Lernende brauchen den Austausch mit Anderen
    Daraus folgt: Import- und Exportmöglichkeiten sowie Präsentations- und Veröffentlichungswerkzeuge
  • Lernende können die Rolle wechseln und zum Lehrenden werden
    Daraus folgt: siehe „Lernende brauchen den Austausch mit Anderen“
  • Lernende erhalten Informationen in unterschiedlichsten Formaten
    Daraus folgt: Unterschiedliche Dateiformate müssen sich aufnehmen lassen und soweit wie möglich darstellen lassen
  • Lernende brauchen Datenschutz für ihre persönlichen Daten
    Daraus folgt: Sie entscheiden selber, ob und wenn, wer zu welchen gespeicherten Inhalten Zugang erhält, das betrifft auch externe Serviceanbieter wie Suchmaschinen, die aus diesem Grund nicht zwangsläufig/notwendig Bestandteil einer PLE sein können.
  • Lernende brauchen eine einfache und kostengünstigen Weg, jederzeit an ihre eigene PLE zu kommen
    Daraus folgt: Webbasierte PLE (eigener PC nicht notwendig); niedriger Preis, damit sich alle eine eigene PLE leisten können
  • Lernende haben unterschiedliche persönliche Einschränkungen bei der Arbeit mit einer PLE
    Daraus folgt: Die PLE sollte barrierearm / barrierefrei sein.

Wie kommt ein Lernender zu seiner Persönlichen Lernumgebung?

6. Juli 2010

Kurze Definition: Die Persönliche Lernumgebung beschreibt, welche digitalen Werkzeuge der Lernende im Lernkontext einsetzt, um sein Lernen selbst zu organisieren und zu optimieren. Der Lernkontext umfasst die persönliche Aufnahme, Verarbeitung und Weitergabe von Informationen.

Wie kommt ein Lernender zu seiner Persönlichen Lernumgebung?

Das Thema “Persönliche Lernumgebung” ist kein reflektions- und beratungsfreier Raum, da jede Äußerung von Respektspersonen gegenüber Lernenden von den Lernenden als Stellungnahme, als Hinweis wahrgenommen wird.

Die Empfehlung, die Entscheidung, die Installation und die Verwendung einer Persönlichen Lernumgebung ist eng verknüpft mit dem Thema Lerntechnik, -methodik und -strategie. Hier werden die Grundlagen für eine effektive Arbeitsweise gelegt (Zeitmanagement, Workflow, Teamarbeit, Projektarbeit, Präsentation, etc.).

Es werden aber auch Weichen für eine effektive Zusammenarbeit und einen effektiven Informationsaustausch gelegt (bildungssystem-, generations- und sprachübergreifend sowie barrierefrei).

Es ist naheliegend, die Persönliche Lernumgebung als zentrale und möglichst umfassende Lösung für die möglichen Lern- und Lehrszenarien zu konzipieren (Materialmix, zentraler Zugriff auf die Materialien, Lernmethodik, Informationsmanagement, Mehrsprachigkeit, Auslandsaufenthalte, etc. …) und dabei den Austausch mit Anderen von vornherein einzuplanen (Datenaustausch, Präsentation, Teamarbeit, Projektarbeit, Veröffentlichungen, Darstellung der eigenen Artefakte als e-Portfolio).

Welche Hilfestellung bekommen “lebenslang” Lernende

Wer hilft den Lernenden bei der Gestaltung  ihrer Persönlichen Lernumgebung?

Wenn man davon ausgeht, das eine “optimale” Persönliche Lernumgebung dem Lernenden die Erreichung der gewünschten Lernziele erleichtert, stellt sich die Frage, wie eine “optimale persönliche Lernumgebung” aussieht.

Im Jahre 2011 sollte man auch fragen: Wie sieht sie für jemanden aus, der “sein Leben lang lernt / lernen soll”?
Nicht zuletzt angesichts der demografischen Entwicklung in wohlhabenden Gesellschaften, thematisieren Staaten und Staatengemeinschaften die Bereitschaft zum Lebenslangen Lernen als Schlüssel für die Wettbewerbsfähigkeit des Einzelnen und den Wohlstand des Landes.

Die Entwicklung von digitalen Werkzeugen wird durch die Staaten mitfinanziert, allerdings gibt es derzeit keine Interessenvertretung der Lernenden – die heterogene Masse der Menschen zwischen 10 und 100 Jahren in den verschiedenen Sprachregionen – um ihre Bedürfnisse zu formulieren und Lösungen dafür zu einzufordern.

Das diese Interessenvertretung wünschenswert wäre zeigt der Blick auf den öffentlichen – genauer gesagt universitären – Diskurs zum Thema “Persönliche Lernumgebung”. Es scheint so, als wäre es die Angelegenheit von Studenten, Dozenten und Professoren, zu definieren, was eine “Persönliche Lernumgebung” sei. Die 12jährige Schülerin, der 40jährige Vater seines 15jährigen Sohnes, der 62jährige Frührentner oder die 88jährige vitale Seniorin – diese Personen werden nicht berücksichtigt.

So lässt sich erklären, dass Toolsammlungen/Collagen als Persönliche Lernumgebungen definiert werden können – unbeachtet der Tatsache, dass nur ein geringer Teil der Bevölkerung in der Lage ist, die Bausteine einer solchen “Collage” zu verstehen, zu benutzen, zu bewerten, deren Entwicklung zu verfolgen, sich mit den Lizenzbedingungen auseinanderzusetzen und deren Relevanz für den eigenen Lernerfolg einzuschätzen.

Beratung für Lernende

Wer berät – oder besser gefragt – wer sollte Lernende hinsichtlich der Persönlichen Lernumgebung beraten?

  • Ist es ein Thema für die Einführungsveranstaltungen im Studium? (Was ist mit den Studenten, die bereits mitten im Studium sind?)
  • Ist es ein Thema für die Lehrenden?
  • Ist es ein Thema für übergeordnete Instanzen? (ASTEN, KMK im Schulbereich, Bildungsministerium, EU Programm für Lebenslanges Lernen, … etc?)

Es wäre auch denkbar, dass sich die Lehrenden nicht in Verantwortung sehen, Empfehlungen zu geben, da es ja um eine “Persönliche” Lernumgebung handelt. Angesichts der Bedeutung von Lerntechnik, -methodik und -strategie für den Lernerfolg wäre eine solche Haltung jedoch nur schwer hinnehmbar. Wenn Lehrende still sind, dann werden marktwirtschaftliche Mechanismen dominieren und die Lernumgebung versuchen zu definieren (man denke dabei an die aufwändigen Werbemassnahmen für Hard- und Softwareprodukte).

Ist das Konzept, eine Persönliche Lernumgebung als erweiterbare Toolsammlung zu definieren, gleichbedeutend mit einer “Freiheit” des Lernenden?

Vielleicht hilft hier der Hinweis auf die Anstrengungen, die die Hochschulen zur “Hochschulübergreifenden Zusammenarbeit” unternehmen, um vor Augen zu führen, dass die Freiheit der Wahl der Lernmanagementsysteme im direkten Verhältnis zu den Schwierigkeiten der Zusammenarbeit stehen. Barrieren, Inkompatibilitäten und fehlende Standards behindern die Kommunikation und Zusammenarbeit.

Übertragen auf das Thema Persönliche Lernumgebung heißt dies: Es ist wichtig ein klares Anforderungsprofil für eine Persönliche Lernumgebung zu formulieren, damit wir aus den Erfahrungen der letzten Jahre lernen und wir eine zukunftsfähige Lösung entwickeln, die den Anforderungen des Lernenden in allen Etappen des Lebenslangen Lernens genügt.

Die Persönliche Lernumgebung – eine emanzipatorische Weichenstellung?

22. Juni 2010

Zusammenfassung: Die Beurteilung und Einrichtung einer technischen Umgebung zum Lernen und Lehren erfordert viele Kompetenzen. Bildungsinstitutionen stellen Lernumgebungen zur Verfügung. Lebenslang Lernende haben eigene Anforderungen an eine Persönliche Lernumgebung. Eine innovative Persönliche Lernumgebung kann umwälzende Bedeutung für die Forschung, das Lehren und das Lernen erlangen.

Der Computer (oder sollte ich lieber von internetfähigen Endgeräten sprechen?) und die Programme – ob offline oder online – stellen technische Umgebungen für Lernende und Lehrende bereit.

Diejenigen, die diese technische Umgebung (also die Computer und Programme) nutzen möchten, benötigen dafür Anleitungen.

Wenn diese technische Umgebung als Hilfsmittel für die eigene Arbeit eingesetzt werden soll, wird es Ernst. Möglichst effektiv sollen nun Ziele erreicht werden. Damit das gelingt muss ich im Vorfeld viele Entscheidungen treffen (die wiederum Vorwissen und Erfahrungen voraussetzen).

  • Welches Betriebssystem wird für die technische Umgebung eingesetzt?
  • Welche Programme? Wo bekommt man diese Programme? Was kosten sie?
  • Funktionieren diese Programme mit meinem Computer, mit meinem Betriebssystem?
  • Nutze ich das Internet? Wofür? Nutze ich Internetservices? Was kostet etwas? Was ist umsonst – und warum? Was ist open source?
  • Wieviel Zeit benötige ich, um mich in dieses und jenes Programm einzuarbeiten – wieviele Probleme erwarten mich dabei und kann ich sie (ohne Hilfe) lösen?
  • Kann ich die Ergebnisse meiner Arbeit mit den Programmen so nutzen, wie ich es erwarte? (Datenaustausch mit anderen, Präsentationsmöglichkeit – also kann ich meine Daten in der Form präsentieren, die ich benötige und können andere meine Präsentation sehen, bzw. benutzen?)

Die Wahl der technischen Umgebung, die Auswahl der Programme und die Einarbeitung – wenn es um deren Einsatz zur persönlichen Zielerreichung geht – stellen Weichen für den persönlichen Erfolg.

Wenn Organisationen den Beteiligten Ziele vorgeben – eine Schule z.B. oder eine Universität – dann scheint es – angesichts der oben beschriebenen Fragestellungen – eine gute Lösung zu sein, wenn sie auch die entsprechende technische Umgebung definiert und bereit stellt. Heraus kommt – im Falle der Bildungseinrichtung – eine “Lehr- und Lernumgebung”. Diese Umgebung ist so konzipiert, dass die Ziele der Organisation bestmöglich erreicht werden können.

Aus der Perspektive des Lernenden – als jemandem der im Prozess des Lebenslangen Lernens mit unterschiedlichen Bildungsorganisationen in Kontakt kommt – sind die Ziele einer einzelnen Bildungsorganisation von untergeordneter Bedeutung. Genau genommen sollte der Lernende sogar überprüfen, ob und in wie fern die “Lehr- und Lernumgebung” der Bildungsinstitution seine eigenen Ziele fördert bzw. behindert.

Da die “Lehr- und Lernumgebung” der Bildungseinrichtung in mehreren Punkten für den Lernenden unbefriedigend ist (zeitlich beschränkter Zugriff, eingeschränktes Mitspracherecht, Gefühl beobachtet bzw. kontrolliert zu werden, keine Erlaubnis Anderen Zugang zu gewähren, keine Privatsphäre, keinen wirklich persönlichen “Raum” um alle Information hochzuladen, wenig Veranstaltungsinformationen über Ereignisse, die nicht im direkten Zusammenhang mit der Bildungseinrichtung stehen, kein eigenes Wissensmanagementsystem, etc.) stellen sich weiterhin die eingangs erwähnten grundsätzlichen Fragen.

Anforderungen an eine Persönliche Lernumgebung

Die Anforderungen an eine Persönliche Lernumgebung listen Graham Atwell et al. (1) ansatzweise auf:

  1. Informationssuche
  2. Sammeln und Strukturieren
  3. Bearbeiten
  4. Analyse
  5. Reflexion
  6. Präsentieren
  7. Repräsentieren
  8. Teilen
  9. Networking

Ich halte es für wichtig, auf folgende Aspekte zu achten:

  • Einfaches Handling
  • Individualisierung
  • Verfügbarkeit sicherstellen
  • Lernunterstützung (z.B. eingebaute Lernkartei)
  • Kontexthilfen (z.B. Zeitstrahl)
  • Mehrsprachigkeit
  • Generationsübergreifender Ansatz
  • Hinweis auf aktuelle Veranstaltungen zu den Lerninhalten

Lösungsansätze für die Persönliche Lernumgebung

Bei der Suche nach Hilfestellung – z.B. bei den Ergebnissen der Suchmaschinen zum Thema “Persönliche Lernumgebung” oder PLE (Personal Learning Environment) – werden Persönliche Lernumgebungen als a) Toolsammlungen oder b) eigenständige Software vorgestellt bzw. diskutiert.

a) Die Persönliche Lernumgebung als Toolsammlung

Die Diskussion findet derzeit vor allem im universitären Kontext statt. Es werden Programme zusammengestellt, die Professoren und Studenten bei der Lehre und dem Lernen unterstützen sollen (vor allem Social Software und Webservices).

Zwischenbemerkung: An dieser Stelle möchte ich darauf hinweisen, das die Persönliche Lernumgebung nicht nur ein Thema für “Wissenschaftler” ist, sondern ein Thema für alle Lernenden und Lehrenden. D.h., das Thema ist bereits für einen 10jährigen Schüler wichtig, genauso für die geistig fitte 90jährige, ganz zu schweigen vom 40jährigen Vater oder der 60jährigen Weltenbummlerin. (Vielleicht sei an dieser Stelle einmal darauf hingewiesen, dass es in Deutschland keine Interessenvertretung der Lernenden gibt, die sich bildungssystemübergreifend und intergenerationell um optimale Bedingungen für das Lebenslange Lernen engagiert.)

Zurück zur Toolsammlung. Die Toolsammlung ist – angesichts der eingangs erwähnten Fragen, die ich mir zu meiner technischen Umgebung und den Programmen stellen muss – und meiner persönlichen Ziele als lebenslang Lernender – keine überzeugende Lösung.

Sie überzeugt auch deswegen nicht, weil sie nicht für alle einsetzbar ist. Wie soll sich das 11jährige Mädchen eine solche Toolsammlung zusammenstellen und mit dieser Toolsammlung sinnvoll lernen? – Oder mein 90jähriger Schwiegervater in Frankreich?

Nachteile einer Persönlichen Lernumgebung als “collagenartige” Toolsammlung:

  • Sie setzt Kenntnis der verschiedenen Tools voraus, die für die Persönliche Lernumgebung interessant sein könnten
  • Sie setzt eine Umgebung (Computer oder Online-Webspace) voraus, auf der die Tools installiert werden können
  • Sie setzt ggf. ausreichend finanzielle Mittel voraus (Computer, Programme)
  • Sie verlangt die Zustimmung zu den Lizenzbedingungen der verschiedenen gewählten Services / Anwendungen. Da Lizenzbedingungen sich jederzeit ändern können, ist eine Beobachtung notwendig.
  • Sie stellt eine nicht einheitliche Materialsammlung / Programmsammlung dar. D.h. es ist – im negativen Sinne – eine Erweiterung des Materialmixes mit den entsprechenden Problemsstellungen: Kompatibilität der Programme und Formate, keine Umgebung, die alle Informationen einheitlich strukturiert und z.B. über eine Suchfunktion zugänglich macht bzw. verbindet. Keine Lernfunktionalität. Keine verständnisfördernde Funktionalität. Keine Präsentationsfunktionalität. Keine Unterstützung der Mehrsprachigkeit. Keine Lerntagebuchfunktionalität. Keine ePortfolio-Funktionalität. Keine intergenerationelle Kommunikationsplattform – da die Anwendungen individuell zusammengestellt werden und die Kommunikation mit anderen nur stattfindet, wenn diese die gleichen Services / Anwendungen nutzen.
  • Sie stellt für den Lernenden eine zusätzliche Belastung dar, der sich nicht nur wie bisher mit unterschiedlichen Datei-Formaten auseinandersetzen muss (um diese zu beherrschen), sondern nun auch die sinnvolle Nutzung der Services erlernen und reflektieren muss.

b) Die Persönliche Lernumgebung als eigenständige Software

LERNWEG (lernweg.de) ist ein Beispiel für eine eigenständige Software, eine Persönliche Lernumgebung. Hier eine Liste von Funktionen, die den Lernenden (und Lehrenden) unterstützen:

  • Persönliches Informations-, Lern- und Wissensmanagementsystem
  • Frei definierbare Wissensgebiete
  • Erlaubt Speicherung verschiedener Datenformate (Materialmix)
  • Erlaubt die verständnisfördernde Kontextualisierung von Informationen (z.B. durch Zeitstrahl)
  • Erlaubt das Memorieren durch eine integrierte automatische Lernkartei
  • Ist mehrsprachig (de, fr, en – restliche EU Sprachen folgen)
  • Suchfunktion
  • Eignet sich für Präsentationen (PDF, Blog, Gastzugang)
  • Ist barrierefrei (BITV*)
  • Zeigt auf Wunsch Veranstaltungen (potentiell auch Dissertationen) zu den eigenen Lerninhalten an (ortsabhängig)
  • Ist als Lerntagebuch und e-Portfolio einsetzbar
  • Eignet sich gleichzeitig für die Lehre
  • Eignet sich für die intergenerationelle Kommunikation

Welchem Lösungsansatz folgen? Die Entscheidung stellt wiederum Weichen.

Mit der Entscheidung für eine Persönliche Lernumgebung als eigenständiger Software vollzieht der Lernende eine emanzipatorische Weichenstellung

  • er verlässt den “Gaststatus”
    (Gast einer Bildungsinstitution für die Zeit seiner Einschreibung, Gast eines Internetservices …)
  • sie fördert seine Selbständigkeit
  • sie fördert seine Unabhängigkeit
  • sie bringt ihn auf gleiche Augenhöhe mit Lehrenden, weil er sie als leistungsfähiges Instrument für die Lehre einsetzen kann
  • er schafft persönliche Voraussetzung für eine intergenerationelle Kommunikation
  • er schafft persönliche Voraussetzung für eine mehrsprachige Kommunikation
  • erlaubt den (internationalen) Austausch von Informationen, eine Zusammenarbeit und eine übergreifende Projektarbeit

Betrachtet man z.B. das Programm LERNWEG als ein Modell einer Persönlichen Lernumgebung – welche Bedürfnisse des Lernenden in den Mittelpunkt rückt, dann wird vorstellbar, dass der Persönlichen Lernumgebung in Zukunft möglicherweise eine umwälzende Bedeutung im Bereich Forschen, Lehren und Lernen zu kommen könnte. Mit so einer Persönlichen Lernumgebung können sowohl Lernende wie Lehrende Motor einer barrierefreien, bildungssystem-, generations- und sprachübergreifenden Zusammenarbeit sein.

————————

(1) Graham Attwell, Jenny Bimrose, Allan Brown, Sally Anne-Barnes: Maturing learning: Mash up Personal Learning Environments.. In: Fridolin Wild, Marco Kalz, Matthias Palmér (Hrsg.): Proceedings of the First International Workshop on Mashup Personal Learning Environments (MUPPLE08) Maastricht.. Vol. 388, 2008. (Siehe auch: http://de.wikipedia.org/wiki/Personal_Learning_Environment)

(2) Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung — BITV)

Der Student als Motor der hochschulübergreifenden Zusammenarbeit

1. Juni 2010

Vor der “hochschulübergreifenden Zusammenarbeit” kommt die “hochschulübergreifende Information”.

Ein brisantes Thema?

In der Regel gehört es zum Konzept der hochschuleigenen Lernplattform, den Zugang zur Information den eingeschriebenen Studenten vorzubehalten. Der Lernende ist Gast. Lehrende ebenso.

Die neu entwickelte persönliche Lernplattform – LERNWEG – ermöglicht dem Studenten, sein Lernen, seine Lerninhalte selbst zu organisieren.

Er entscheidet, welche Informationen teil seiner Lernumgebung, seines Lernsystems werden. Und er entscheidet, welche Informationen er wem zugänglich macht.

Er bildet schon frühzeitig ein Netzwerk von Lernenden, die genauso selbständig wie er, Informationen sammeln, verknüpfen und bereitstellen.

Beziehungen zwischen Studenten, die an unterschiedlichen Hochschulen und Universitäten im eigenen Lande oder im “Ausland” studieren, lenken seine Aufmerksamkeit so auch auf andere Lehrende und Forschende.

Die mehrsprachige persönliche Lernplattform LERNWEG fördert die Selbständigkeit der Studenten. Sie ist gleichzeitig eine Lehrplattform und so auch geeignet für Dozenten und Professoren, die über die Grenzen der eigenen Hochschule initiativ werden wollen.

In diesem Sinne stellt die persönliche Lernumgebung LERNWEG eine barrierefreie Lösung – auch für die hochschulübergreifende Zusammenarbeit – dar.

Mit diesem neuen Typus der persönlichen Lernumgebung kommt die Frage auf, in wie fern es ein Problem für die Hochschulen darstellt, wenn Studenten unterschiedlicher Hochschulen untereinander sich gegenseitig über ihre Lerninhalte informieren  bzw. diese zur Verfügung stellen?

Das Wissen der Welt ist verfügbar, mein eigenes Wissen leider nicht. Was tun?

26. Mai 2010

Online-Enzyklopädien liefern mir in Sekundenschnelle Antworten auf meine Fragen.  Wenn ich aber wissen möchte, was ich vor 2 Monaten gelesen habe, was mich letztes Jahr im März beschäftigt hat, oder was ich im November 2005 gelernt habe, dann stelle ich fest, dass mein Erinnerungsvermögen überfordert ist.

Selbst, wenn ich mich – schlagwortartig – erinnere, fehlen mir die Detailinformationen. Und die Suche beginnt.

Ich glaube, es ist leicht, die Situation zu ändern. Es ist leicht, mir wesentlich mehr zu merken, ohne großen Aufwand zu betreiben, wenn ich mir vergegenwärtige, wie ich mit Informationen, dem Materialmix, dem Spezialwissen und den Brüchen umgehe.

A) Informationen: Natürlich weiß ich, dass es leicht ist, sich Informationen zu merken, wenn ich sie nur oft genug wiederhole.

Im Alltag bin ich einem stetigen Informationsfluss ausgesetzt. Teilweise ist es meine eigene Schuld, wenn ich von einer Information zu nächsten springe, teilweise liegt es daran, dass meine Umgebung versucht meine Aufmerksamkeit zu erhalten. Es liegt bei mir zu entscheiden, welche Information “Nachrichtencharakter” hat (also für mich morgen wahrscheinlich schon nicht mehr interessant ist) und welche Information es verdient, erinnert zu werden.

Jetzt brauche ich nur noch ein Werkzeug, dass mir hilft mit wenig Aufwand interessante Informationen – mit der geringstmöglichen Anzahl von Wiederholungen – ins Langzeitgedächtnis zu bekommen.

B) Materialmix: Die Informationen, die ich aufnehme, werden entweder von jemandem vorgetragen, werden an die Tafel oder das Flipchart geschrieben, ich erhalte eine Fotokopie, eine CD, ein Bild, ein Buch, eine Textdatei, eine Sprachdatei, ein Video, eine Bildschirmpräsentation, einen Link etc. Mit anderen Worten: die Information kommt auf den unterschiedlichsten Formaten daher. Und die Form, die ich wähle, um die Information festzuhalten, erweitert das Sammelsurium an Materialien noch einmal (Notizbuch, Notebook, Karteikarten, Ordner etc.)

So einen “Materialmix” kann man für gut oder schlecht halten (ich bin da geteilter Meinung) – auf jeden Fall gibt es ein Problem: Wenn ich eine Information in dem Materialmix suche und finden möchte, dann kann ich nicht einfach ein Suchwort eingeben. Ich müsste meinen Computer durchsuchen, meine Schubladen, meine Bibliothek, die schriftlichen Notizen, meine Aktenordner etc. bis ich vielleicht die eine oder andere Information hoffentlich wiederfinde (Natürlich müsste ich auch an den Orten sein, wo die Informationen liegen – zu hause, in der Uni, bei meiner Freundin).

Also, hier wäre ein Werkzeug nicht schlecht, wo ich die wichtigen Informationen aus unterschiedlichen Quellen in einer “durchsuchbaren” Oberfläche sammle.

Damit hätte ich auch gleich eine gute Grundlage fürs Wiederholen (siehe A).

C) Spezialwissen: Nach dem Ende der Grundschule übernehmen die Fachlehrer die Ausbildung in der Schule, die Dozenten und Professoren in der Uni, die Spezialisten in den einzelnen Berufen. Die Informationen, die ich recherchiere, sind in der Regel auch von Spezialisten geschrieben.

Ist es einerseits wunderbar, dass ich von Fachleuten Fachinformationen erhalte, um wirklich in die Tiefe des Wissensgebietes vorzudringen, ist es andererseits nun an mir, die Zusammenhänge zwischen den Wissensgebieten wieder herzustellen. Wenn mir das gelingt – begleitet von vielen AHA-Effekten – dann finde ich öfters eine Antwort auf die bohrende Frage: Warum ist etwas da? Warum hat sie damals das entdeckt? Wieso wurde zur Zeit Darwins so gemalt, musiziert, gebaut? Dieses Verständnis, das ich durch das Kontextualisieren von isolierten Fachinformationen bilden kann, unterstützt ebenfalls meine Fähigkeit, mir Informationen zu merken.

Auch hier wäre ein Werkzeug nicht schlecht, was mich bei der Kontextualisierung unterstützt.

D) Brüche: Als ich mit der Schule fertig war, habe ich alles in einen großen Karton gepackt, verschnürt und in den Keller gebracht. Ich war sehr froh, dass ich die Schule hinter mir hatte und wollte “nichts mehr davon wissen”.

So war es auch mit dem Studium. So war es auch mit meiner Weiterbildung.

Das meine ich, wenn ich von Brüchen spreche. In den ganzen Jahren meiner verschiedenen Ausbildungen, war ich immer wieder mit Begeisterung dabei, Interessantes zu lernen. Natürlich auch für die Prüfungen. Und – wo ist es jetzt? Wenn mich jetzt jemand fragt, was ich über Böll, Goethe, Schumann, Napoleon, Thermodynamik etc. weiß, dann – ist es nicht mehr da.

Hätte ich doch nur von Anfang an, also von der Schule über die Uni … ein vernünftiges durchgängiges System genutzt, dann hätte ich heute eine persönliche Enzyklopädie vor mir. Und da sie aus meinen gesammelten Lernerfahrungen und Aufzeichnungen bestehen würde, wäre ich glücklich, darauf zugreifen zu können und sie nach Wunsch auch mit anderen teilen zu können.

Fazit: Mit LERNWEG habe ich so ein Werkzeug schließlich gebaut. Ich hoffe, es kann Dich auch unterstützen.

Studenten und das Thema Lebenslanges Lernen

21. Mai 2010

Als Lernender muss ich heutzutage selbstverantwortlich meinen Lernweg organisieren. Da ich im Laufe meines Lebens verschiedene Institutionen (Schule, Hochschule, Universität, Berufsbildungszentren, Fort- und Weiterbildungsakademien etc.) – möglicherweise in verschiedenen Ländern – besuche, um meine Bildung zu erlangen, stehe ich vor der Frage:

  1. Wie und wo speichere ich die Lerninhalte, damit ich dauerhaft darauf zugreifen kann? (Materialmix)
  2. Wie kann ich mir wichtige Inhalte dauerhaft merken?
  3. Wie kann ich mit anderen zusammenarbeiten (Team- und Projektarbeit, auch länderübergreifend)?
  4. Wie kann ich meine Inhalte präsentieren (Referate, Seminare …)? Oder gar veröffentlichen?
  5. Wie kann die Ergebnisse von meinen Recherchen festhalten (Quellen; Links; Inhalte von Seiten, die morgen vielleicht nicht mehr da sind; sie kommentieren; sie mit Lernfragen versehen?)
  6. Wie kann ich einen strukturierten Überblick über mein Wissen erlangen (und meine Lücken)?
  7. Wie kann ich mit einem Suchwort in meinem gesamten Wissen suchen?
  8. Wie kann ich Lerninhalte, die mir in der Regel fachspezifisch von Spezialisten vermittelt werden, in ihren zeitlichen und kulturellen Kontext darstellen, um sie (besser) zu verstehen?
  9. Wie kann ich dafür sorgen, dass ich von Veranstaltungen in meiner Umgebung erfahre, die für meine Lerninhalte wichtig sein können?
  10. Wie kann ich dafür sorgen, dass ich von Dissertationen in meiner Umgebung erfahre, die für meine Lerninhalte wichtig sein können?
  11. Wie kann ich Lerninhalte, die in verschiedenen Sprachen vorhanden sind, miteinander verbinden?
  12. Wie kann ich mich termingerecht auf Prüfungen vorbereiten?

Für mich, wie für alle Lernenden (ob Studenten, Schüler, Berufstätige, Senioren) ist die Organisation des Lernens eine alltägliche Herausforderung und gute – praktische und nachhaltige – Lösungen stellen für mich ein Must-Have dar.

An der Stelle beteilige ich mich an der Diskussion um die aktuellen Themen zum Lebenslangen Lernen: Personal Learning Environment, E-Portfolio, Web 2.0, Einsatz von Lernplattformen, persönliche Lernumgebung, Lerntagebuch, Lernmanagement (LMS) und Wissensmanagement.

Ich beginne – als Lernender – meine Interessen wahrzunehmen, meine Perspektive in den Vordergrund zu stellen – und mit Anderen darüber zu sprechen, wie sie es machen. Wie organisieren denn die Anderen (nicht nur ihr Studium,  sondern auch) ihr Lebenslanges Lernen? Wie organisieren meine Dozenten, meine Professoren ihr Lernen? Sitzen wir nicht letztlich alle im gleichen Boot? Also, haben wir nicht die gleichen Fragen? Können wir nicht gemeinsam etwas machen und uns gegenseitig unterstützen?

Das Seminarprotokoll

19. Mai 2010

Als Student bzw. als Wissenschaftler bist Du ein professioneller “Wissensarbeiter”. Das heißt, die Recherche, Bearbeitung, Darstellung und Wiederverwendbarkeit von Informationen – ob Seminar, Vorlesung, Kongress, etc. – muss hohen Ansprüchen genügen. Ich habe einige Aspekte aufgelistet, die ich wichtig finde.

Doch vorweg:

Ein Seminarprotokoll kannst Du alleine oder mit anderen erstellen.

Ziel ist es, eine vollständige Darstellung der Themen und Ereignisse des Seminars festzuhalten.

Nun zu den Aspekten:

a) Ich gehe erst mal davon aus, dass ein chronologischer Aufbau des Seminarprotokolls sinnvoll ist. Das abschließende Protokoll sollte den Nutzern auch den Zugriff auf die Informationen des Seminars per Suchwort ermöglichen.

b) Ihr werdet im Seminar die verschiedenartige Medien und Quellen benutzen und erwähnen (siehe auch Materialmix). Diese sollte Dein bzw. euer Seminarprotokoll in geeigneter Weise darstellen können.

c) Dann solltest Du bei Deiner Wahl des Programmes sicherzustellen, dass alle Seminarteilnehmer Dein bzw. euer Seminarprotokoll in für sie lesbarer Form erhalten (Stichwort Kompatibilität).

d) Dann ist die Möglichkeit vorsorglich in Betracht zu ziehen, dass das Seminarprotokoll am Ende des Seminars – als Refexion – präsentiert werden muss.

e) Dann solltest Du vorsorglich davon ausgehen, dass – im Falle eines “hervorragenden” Seminarprotokolls – verschiedene Formen der Verbreitung und Aktualisierung anstehen. Da wäre es natürlich wünschenswert, dass Du bzw. ihr diese leicht und ohne großen Aufwand jederzeit vornehmen könnt.

f) Und Du kannst Dein (bzw. ihr könnt euer) Seminarprotokoll von vornherein so anlegen, dass die Nutzung für alle Seminarteilnehmer (und spätere Interessenten) komfortabel ist (Suchfunktion, Webzugang, PDF, Import, Hinzufügen von eigenen Ansichten, Prüfungsvorbereitung).

Seminarprotokoll, Protokoll erstellen, Personal Learning Environment, Projektdokumentation

Nun im Detail:

Zu a) Dein bzw. euer Aufbau sollte die Präsentation und die spätere Nutzbarkeit berücksichtigen.

Zu b) Im Seminar gibt es …

  • mündliche Informationen (Vorträge, Diskussionen, Fragen und Antworten, Hinweise etc.): Die kannst Du als Textinformationen notieren. Eine Aufnahme als MP3 oder Video ist natürlich auch möglich, aber vielleicht zu aufwendig.
  • visuelle Informationen (Tafelbilder, Flipcharts, Mindmaps, Fotografien, Abbildungen, etc.): Diese kannst Du fotografieren bzw. Dir von den Seminarteilnehmern geben / schicken lassen. Liegen Sie bereits als Dateien vor, kannst Du sie einfach hochladen und dem Eintrag des Tages zuordnen.
  • Dokumente (Doc, PDF, Xls, OpenOffice, PPT, Mindmaps etc.): Diese kannst Du hochladen, damit sie dauerhaft und für jeden Seminarteilnehmer verfügbar sind und bleiben.
  • Tondokumente (MP3): Du kannst diese verlinken oder hochladen.
  • Videomaterial: Du kannst die Videos verlinken.
  • Links auf Internetseiten: Du kannst Sie jeweils als Quelle oder Hinweis Deinen Einträgen hinzufügen oder ein Verzeichnis erstellen.
  • Literatur: Du kannst die Quellen direkt bei Deinen Einträgen hinzufügen oder auch hier Verzeichnis erstellen.

Bitte beachte bei den zitierten und präsentierten Materialien immer die Rechte und die Nennung der Urheber. A propos Zitate: Dein bzw. euer Seminarprotokoll sollte natürlich die Quellen korrekt zitieren.

Zu c) Du kennst es vielleicht auch aus eigener Erfahrung. Jemand benutzt ein Programm, dass Du nicht hast – oder er liefert es in einem Format, dass Du nicht bearbeiten kannst – oder in einem Format, das Du nicht in Dein “Wissensmanagementsystem” integrieren kannst. (Der Begriff “Wissensmanagementsystem” kommt Dir vielleicht komisch vor, aber wenn Du Dich auf Prüfungen vorbereitest, Materialien zusammenstellen sollst, oder später mal Informationen suchst, hast Du keine Chance, wenn Du keine Struktur hast, die Dir das Auffinden und Wiederverwenden von Informationen ermöglicht.
Aus Eigeninteresse und für Deine Mitstudenten / Kommilitonen: Präsentiere die Informationen barrierefrei, recherchierbar, ausdruckbar, bearbeitbar, wiederverwendbar. Damit lieferst Du gleichzeitig eine gutes Beispiel, dem Andere folgen werden, weil sie die Erfahrung machen konnten, wie hilfreich es ist.

zu d) Hier ist es hilfreich, das Programm zu nutzen, mit dem Du eine attraktive Darstellung der Seminarinhalte zeigen kannst. Es ist wirklich für alle eine Belohnung, etwas visuell gut Aufbereitetes zu betrachten. Dabei sollte das verwendete Programm nur wenig Kenntnisse von Dir erfordern, denn zu leicht verschwendet man seine Zeit in Formatierungsarbeiten.
Auch hier gilt wieder: Es ist eine faire Geste von Dir, wenn Du die Barrierefreiheit beachtest. D.h. Du wählst am besten eine barrierefreie Webdarstellung und ermöglichst den Export als Handout (PDF).

zu e) Dein Programm, welches Du für die Erstellung Deines Seminarprotokolls wählst, sollte wirklich einfache und unkomplizierte Aktualisierungen zu lassen. So kann Dein bzw. euer Seminarprotokoll jederzeit der Grundstein einer Folgearbeit werden.

zu f) Das finde ich besonders wichtig: Erstelle ein Seminarprotokoll, dass für Deine bzw. eure Seminarteilnehmer wirklich praktisch in der Nutzung ist.
Zu oft – wird meines Erachtens nach – nur auf Design geschaut, wenn es um eine Präsentation geht. Ich finde es viel wichtiger, auf Usability zu achten. Und ich denke, es dient der Verbreitung Deines bzw. eures Seminarprotokolls, wenn es eine ausgezeichnete Usability hat.

Ich habe bis jetzt zurückgestellt, dass Programm LERNWEG zu nennen, weil ich diese Überlegungen grundsätzlich für wichtig für ein zeitgemäßes Seminarprotokoll halte. Wenn Du LERNWEG für Dein – oder wenn ihr LERNWEG für euer Seminarprotokoll als Programm nutzt, würde ich mich freuen. Es ist dafür gemacht.